Sitzung des Branchenbeirats am 10. Juli 2013

Konstituierende Sitzung

Foto von Dr. Marita Kraemer, Dr. Josef Beutelmann und Dr. Michael Niebler
Dr. Marita Kraemer, Dr. Josef Beutelmann, Dr. Michael Niebler

„Kulturwandel in den Unternehmen, Attraktivität von Führung sowie die Bedeutung von Role Models sind die entscheidenden Themen bei der Gewinnung von mehr Frauen als Führungskräfte.“ Mit diesen Worten fasste Dr. Josef Beutelmann die Diskussionen der konstituierenden Sitzung des AGV-Branchenbeirats zusammen. 26 Vorstände und Führungskräfte diskutierten am 10. Juli angeregt, weshalb Frauen im Vergleich zu Männern seltener Führungspositionen einnehmen und wie der Beirat die Unternehmen unterstützen kann, in Zukunft mehr Frauen für Managementaufgaben zu gewinnen. Einleitend stellte Betina Kirsch, Geschäftsführerin beim AGV, die wesentlichen Ergebnisse der innerhalb der Branche durchgeführten AGV-Erhebung „Frauen in Führung“ vor, die Ausgangspunkt der Diskussionen war.

Kulturwandel ist das zentrale Thema

Foto von Dr. Monika Sebold-Bender, Dr. Susanne Pauser, Sabine Krummenerl, Marita Manger und Barbara Schick
Dr. Monika Sebold-Bender, Dr. Susanne Pauser, Sabine Krummenerl, Marita Manger, Barbara Schick

Einig waren sich die Mitglieder darin, dass die in Deutschland unzureichend organisierte Kinderbetreuung nicht das zentrale Thema bei der Lösung dieser komplexen Frage sei, sondern es vielmehr darauf ankomme die Unternehmenskultur zu hinterfragen – insbesondere eingefahrene Verhaltensweisen und Rollenmuster aufzudecken. Im Ergebnis sei das Kulturthema ein klassischer Change-Prozess so Dr. Christian Hinsch, stellv. Vorstandsvorsitzender der Talanx AG. Man dürfe Erfolge nicht von einem Tag auf den anderen erwarten. Ein gutes Gender-Diversity-Management stelle die „Hardware“ bei diesem Thema dar, so Dr. Marita Kraemer, Vorstandsmitglied bei der Zurich. Mehrfach wurde geäußert, dass es wichtig sei, Frauen für Führungspositionen zu begeistern, sie insbesondere zu animieren, mehr Selbstbewusstsein für die Übernahme einer Führungsaufgabe zu entwickeln. Als großes Hemmnis, mehr Frauen für das Management zu gewinnen, sehen viele Unternehmen laut der vom AGV durchgeführten Erhebung auch eine geringere Führungsmotivation von Frauen. Die Attraktivität von Führung, sei geschlechterunabhängig generell zur Herausforderung geworden, äußerte Dr. Susanne Pauser, Leiterin Konzern Personal bei der W&W. Dies betreffe vor allem die unteren Führungsebenen.

Role Models machen Führung „greifbar“

Foto von Marita Manger, Sabine Krummenerl und Dr. Veronika Simons
Marita Manger, Sabine Krummenerl, Dr. Veronika Simons

Im eigenen Konzern hätte sich viel verändert, seit eine Frau im Holding-Vorstand eingezogen sei, berichtete Sabine Krummenerl, Vorstandsmitglied bei der Provinzial Rheinland. Wohl kulturell geprägt und auch aufgrund der Doppelbelastung Beruf und Familie seien Frauen etwas zurückhaltender, was die Übernahme von Führungsaufgaben angehe, merkten viele Beiratsmitglieder an. Unternehmen müssten auch bereit sein, qualifizierte, aber zögernde Frauen auf die Übernahme einer Führungsaufgabe anzusprechen – manchmal auch mehrfach. Krummenerl berichtete, dass sie auf diese Weise schon in der eigenen Organisation gute Erfahrungen gemacht hätte. Daniela Breidbach, HR Direktorin bei der Allianz, schilderte, dass die Allianz Karrierelounges veranstalte, in denen weibliche Führungskräfte über ihren Karriere- und Lebensweg berichteten, um Nachwuchsführungskräfte für Managementaufgaben zu ermutigen. Wichtig sei es zudem, ein Auge auf den Prozess der Stellenbesetzung zu werfen, so Dr. Monika Sebold-Bender, Vorstandsmitglied bei der Generali Versicherung. Nicht selten komme es vor, dass Führungskräfte im Rahmen der Nachfolgeplanung Personen vorschlagen, die dem eigenen Ebenbild weitestgehend entsprechen.

Was passiert nun…

Foto von Gerd Söpper, Rainer M. Jacobus und Barbara Schick
Gerd Söpper, Rainer M. Jacobus, Barbara Schick

Der Branchenbeirat wird die oben geführten Diskussionen in einer gesonderten Projektgruppe vertiefen und diskutieren, wie der Kulturwandel in den Unternehmen beschleunigt und Führung generell attraktiver gestaltet werden kann.

Ferner hat der Branchenbeirat beschlossen, die 2012 erstmalig durchgeführte AGV-Frauen-Führungskräftetagung unter Leitung des Branchenbeirats im Jahr 2014 fortzusetzen, um die Vernetzung der weiblichen Führungskräfte untereinander zu stärken.

Neben „Frauen in Führung“ wurde zudem das Thema „Frauen im Vertrieb“ angeregt diskutiert. Die mangelnde Planbarkeit der Arbeitszeit im Vertrieb sowie das Vertriebsimage sind die wesentlichen Hemmfaktoren für Frauen, in den Vertrieb zu gehen. Erfolg im Vertrieb sei sehr „fleißabhängig“, was einen gewissen Arbeitszeitaufwand voraussetze. Die Frauen, die sich für den Vertrieb entscheiden, seien – so einige Beiratsmitglieder – häufig erfolgreicher als Männer.

Das Thema Vertrieb soll im Rahmen eines Experten-Workshops am 12. Februar 2014 unter Leitung des Branchenbeirats ausführlich diskutiert werden.