Sitzung des Branchenbeirats am 9. Juli 2014

„Raus aus dem Schneckenhaus!“

Die Mitglieder des AGV-Branchenbeirats "Frauen in Führung" mit Gastredner Dr. Theodor Weimers
Die Mitglieder des AGV-Branchenbeirats "Frauen in Führung" mit Gastredner Dr. Theodor Weimers

Der Anstieg des Frauenanteils in Spitzengremien ist in den Unternehmen der Versicherungswirtschaft zwar angekommen, vollzieht sich aber noch in Trippelschritten. Nur bei den Vorständen ist eine positive Veränderung im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten: 2013 waren 8,6 Prozent der Vorstandsmitglieder der 60 größten Versicherungsunternehmen in Deutschland weiblich (gegenüber 5,7 Prozent im Jahr 2012).

Um in Zukunft eine Verbesserung auch in den obersten Managementebenen zu erreichen, ist ein Kulturwandel nicht nur in den Unternehmen, sondern auch in der Gesellschaft notwendig – so der Tenor bei der zweiten Sitzung des AGV-Branchenbeirats „Frauen in Führung“ am 9. Juli 2014 in München. Die hohe Teilzeitquote von fast 40 Prozent der Frauen in der Versicherungswirtschaft zeige, dass Kinderbetreuung noch immer Frauensache sei. Zudem fehle es leider vielen Frauen auch am Selbstverständnis, eine Führungsposition anzustreben.

Kontrovers diskutiert wurde der Referentenentwurf der Bundesfamilienministerin und des Bundesjustizministers zur Frauenquote. Insbesondere die knappe Umsetzungsfrist bis 2017 und die Vorstellung der beiden Minister, dass mindestens ein Mann und eine Frau für jedes Gremium vorgesehen werden muss, stießen bei den Beiratsmitgliedern auf Kritik. Politischer Druck könnte jedoch Unternehmen und Gesellschaft zwingen, sich konstruktiv mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Foto von Dr. Theodor Weimer
Dr. Theodor Weimer

Mit der Gründung eines Frauenbeirats auf Unternehmensebene ist die HypoVereinsbank (HVB) ein Vorreiter in der Finanzbranche. Über die vielfältigen Initiativen dieses Beirats berichtete Dr. Theodor Weimer, Sprecher des Vorstands der HVB und Schirmherr des Frauenbeirats. „Die Arbeitswelt befindet sich in einem massiven Wandel: Megatrends wie die Digitalisierung der Wirtschaft erfordern in allen Bereichen von Mitarbeitern und Führungskräften neue Fähigkeiten. Diversity ist in diesem Umfeld ein wichtiger Faktor“, so Weimer. Der Beirat wirke als Ideengeber – weit über die Grenzen der Bank hinaus.

Die darauf folgende Diskussion drehte sich um die Themen Einstellungspolitik und Netzwerken. Weimer berichtete, dass in seinem Haus für alle neu zu besetzenden Führungspositionen immer mindestens eine Frau auf der Beförderungsliste stehen müsse. Die AGV-Beiratsmitglieder waren sich einig, dass man in den Unternehmen nachhalten müsse, wer wen wie einstellt - ansonsten werde immer der gleiche Typus reproduziert. Insofern wäre es auch sinnvoll, die Nomination-Teams in regelmäßigen Abständen rotieren zu lassen. Man müsse jedoch auch selbst aus seinem Schneckenhaus herauskommen und proaktiv auf die nächste Ebene zugehen, betonte Marlies Hirschberg-Tafel, Mitglied des Aufsichtsrates der Signal Iduna Gruppe. Netzwerken sei sehr wichtig. Gerade in diesem Bereich müssten Frauen an sich arbeiten. Die durch den Branchenbeirat initiierte zweite Frauen-Führungskräftetagung am 7./8. Oktober 2014 in Köln wird sich insbesondere mit dieser Thematik befassen.