Sitzung des Branchenbeirats am 8. Juli 2015

Kulturwandel ist unumgänglich

Foto von Dr. Marita Kraemer, Dr. Andreas Eurich und Dr. Josef Beutelmann
Dr. Marita Kraemer, Dr. Andreas Eurich, Dr. Josef Beutelmann

In den letzten Jahren hat sich einiges bewegt, das Thema „Frauen in Führung“ braucht jedoch Zeit und Nachhaltigkeit. Das zentrale Thema dabei ist die Unternehmenskultur – die Unternehmen müssen den Wandel wirklich wollen. Gleichzeitig müssen sich aber auch die weiblichen Mitarbeiter „bewegen“ und Führung einfordern. Dies war der Tenor auf der dritten Sitzung des AGV-Branchenbeirates.

Die aktuellen Zahlen aus der Branche zeigen, dass sich der Anteil von Frauen in Führungspositionen im Innendienst seit dem Jahr 2000 um lediglich 4,6 Prozent – von 21,2 auf 25,7 Prozent – erhöht hat. In den Vorständen der 60 größten Versicherungsunternehmen hat sich der Frauenanteil seit 2008 mehr als verdreifacht auf aktuell 8,5 Prozent. Noch immer stellt die hohe Teilzeitquote der Frauen eine Karrierehürde dar. Fast 40 Prozent aller weiblichen Mitarbeiter im Innendienst arbeiten in Teilzeit. Rund 70 Prozent der Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern zwar Führen in Teilzeit an, allerdings wird dies von lediglich 4 Prozent der Führungskräfte genutzt.

Foto von Dr. Natascha Sasserath-Alberti, Sarah Rössler
Dr. Natascha Sasserath-Alberti, Sarah Rössler

In der anschließenden Diskussion wurden erfolgreiche Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in Führung diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass die Unternehmen bereits eine Vielzahl von Maßnahmen implementiert haben. Viele dieser Maßnahmen bringen jedoch keinen spürbaren Erfolg. Die Beiratsmitglieder stellten die Unternehmenskultur als den zentralen Erfolgsfaktor heraus, dazu gehören auch ein eindeutiges Bekenntnis des Unternehmens für das Thema und eine flexible Führungskultur – eine Einschätzung, die durch die Befragung der weiblichen Führungskräfte im Rahmen der Frauen-Führungskräftetagung 2014 untermauert wird. Diese nannten als größte Herausforderung im Rahmen ihres beruflichen Aufstiegs den „Umgang mit traditioneller Unternehmenskultur“, die „politischen Spielchen“ sowie den „Hierarchiedünkel“.

Allerdings muss auch die Mitarbeiterin selbst aktiv werden und dabei eine gewisse Flexibilität mitbringen. Viele Frauen entscheiden sich nach ihrem Abschluss für die „weicheren“ Fachrichtungen wie Marketing oder Personal. In den Stabsfunktionen sind die Aufstiegsmöglichkeiten jedoch häufig begrenzt. Zu einem Wechsel in den operativen Bereich mit besseren Karrieremöglichkeiten seien viele Frauen leider nicht bereit, so die Beiratsmitglieder. Frauen müsse dies bereits frühzeitig deutlich gemacht werden. Im Rahmen der dualen Studiengänge sollte verstärkt für eine Karriere im operativen Bereich geworben werden.

Der Branchenbeirat sprach sich für eine dritte Frauen-Führungskräftetagung im Herbst 2016 im Raum Köln aus. „Unternehmenskultur“ sowie „Digitalisierung“ wurden als mögliche Themenschwerpunkte identifiziert. Diese Tagung soll – wie die erste Frauen-Führungskräftetagung – auf die oberste Führungsebene begrenzt werden. Der Beirat erwägt regionale Aktivitäten, um die Ergebnisse der Tagung „in die Fläche“ zu tragen.