Dritte Frauen-Führungskräftetagung der Deutschen Assekuranz in Köln

„Wir wollen die Kultur verändern“

„Braucht es heutzutage wirklich noch reine Frauenveranstaltungen?“ mag sich so manche weibliche Top-Führungskraft vor Beginn der Frauen-Führungskräftetagung des AGV noch gefragt haben … um diese Frage nach eineinhalb Tagen im Kölner Wasserturm mit einem klaren „Ja“ zu beantworten. Denn nicht Gespräche über Frauen, sondern der Austausch und das Netzwerken unter Frauen standen im Mittelpunkt des mittlerweile dritten Zusammentreffens der rund 150 Top-Managerinnen, das in vielerlei Hinsicht wieder den Nerv der Zeit getroffen hat.

In den Vorträgen ging es vom „New Way of Work“ über die „Macht der Vorbilder“, „Kognitiven Lösungen im Zeitalter der Digitalisierung“ und „Unconscous Bias“ bis hin zu „Natürlichen Aggressionen und Machtspielen im Top-Management“.

Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende des AGV-Branchenbeirates „Frauen in Führung“, Sarah Rössler, stellte Astrid Stange, Mitglied des Vorstandes des AXA-Konzerns, bei ihrer Dinner speech anschaulich dar, wie ihr Unternehmen den New Way of Work beschreitet. „Dabei“, so zeigte sie sich überzeugt, „wird HR eine zentrale strategische Position im Unternehmen einnehmen.“

AGV-Geschäftsführerin Betina Kirsch hielt in ihrem Vortrag nicht nur interessante, brancheninterne Zahlen parat, sondern ging auch auf das Thema Vorbilder ein. „Wie reden wir Frauen eigentlich selbst über Frauen?“ fragte sie das Publikum, um dann mit einem Zitat der ehemaligen US-Außenministerin Madeleine Albright direkt zu antworten: „There is a special place in hell for women who don’t support other women.“

Matthias Spörrle, Professor für Wirtschaftspsychologie, zeigte anschließend in einem ebenso humorvollen wie wissenschaftlich fundierten Vortrag auf, wie Vorurteile zustande kommen, welche Auswirkungen sie auf unsere Entscheidungen haben und was wir dagegen tun können.

Abschalten, so Spörrle, könne man sie nicht, die bloße Erkenntnis und Einsicht rette nicht vor vorschnellen, häufig falschen Schlussfolgerungen. Was hingegen helfe, seien eine hohe Standardisierung von Entscheidungsprozessen, um objektive Kriterien zu filtern, eine Pluralität an Gremien anstatt Monokulturen sowie ein gelegentlicher Perspektivwechsel, denn: „Uns fällt nur auf, was aus der Norm fällt.“

Einen Blick in die Zukunft der kognitiven Systeme und deren mögliche Auswirkungen auf Versicherer, bot Andrea Cornelius, Vice President Insurance bei IBM, in ihrem Vortrag. Lernende Computer und Roboter könnten in Zukunft Tätigkeiten ausüben, die für Menschen zum einen unheimlich zeitaufwändig und zum anderen sehr fehleranfällig seien. Würde das Einlesen und Auswerten von Daten künftig von Systemen übernommen, bliebe den einzelnen Mitarbeitern im Idealfall mehr Zeit für den persönlichen Kontakt mit dem Kunden, beschrieb Cornelius ein mögliches Szenario.

„Dreckige Tipps für die eigene Karriere und das Ausschalten unliebsamer Wettbewerber“ versprach Professor Jens Weidner, Aggressionsforscher und Professor für Kriminologie, zu Beginn seines Vortrags „Über (natürliche) Aggressionen und (typische) Machtspiele im Top-Management“. Nach eigenen Worten sah er seinen Auftrag vor allem darin, „die Teilnehmerinnen kognitiv zu verrohen“, was ihm auf sehr humorvolle Weise auch gelang. Seine aus dem Leben gegriffenen Beispiele spie-gelten in vielerlei Hinsicht wider, was im Top-Management gang und gäbe sei, und zeigten auf, wie man selbst damit umgeht und aus Duellen als Sieger(in) hervorgeht.

Neben den Vorträgen im Plenum hatten die Teilnehmerinnen auch die Gelegenheit, ihr Wissen und ihre Erfahrungen in fünf Meet-Ups selbst einzubringen und gemeinsam über gute Beispiele und Lösungsansätze zu diskutieren. Die Mischung aus Informationen, Austausch und Netzwerken wurde als sehr gelungen betrachtet und von Sarah Rössler in ihrem Schlusswort auf den Punkt gebracht: „Allen Themen ist gemein: Wir wollen die Kultur verändern und wir wollen die Unternehmen verändern.“

Folgende Meetups wurden auf der Tagung angeboten:

Titel des Meetups Moderatorin
Meetup 1 Arbeiten 4.0 - Kultur frisst Strategie! Dr. Susanne Pauser, Mitglied der Vorstände, Württembergische Versicherungen
Meetup 2 Kontinuierlicher Verbesserungsprozess - der Weg zur Operational Excellence Andrea Karst-Swierczynski, Geschäftsführerin, GKC Gothaer Kunden-Service-Center GmbH
Meetup 3 Vom mittleren Management bis an die Spitze - wie können wir Potentialkandidatinnen beim Aufstieg unterstützen? Sabine Krummenerl, Mitglied des Vorstandes, Provinzial Rheinland Versicherung AG
Meetup 4 Digitalisierung und FinTechs - Auswirkungen auf das B2C und B2B Geschäft Dr. Andrea Cornelius, Vice President Insurance, IBM Cognitive Solutions
Meetup 5 Digitaler Overload - was können Führungskräfte tun, um die Produktivität im Team zu erhalten? Susanne Ruoff, CEO, LifeProjects GmbH