ERGO Rückenzentrum: (Sekundär-) Prävention von Wirbelsäulenbeschwerden

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    Unternehmen
    ERGO Versicherungsgruppe AG
    Sitz
    Victoriaplatz 2, 40198 Düsseldorf
    Beschäftigte
    45.600 Mitarbeiter (davon rd. 16.000 hauptberufliche Vertreter)
    Ansprechpartner/-in

Ansatz

Wirbelsäulenbeschwerden zählen nach den Atemwegserkrankungen zu den Hauptverursachern von Arbeitsunfähigkeitstagen. Bewegungsarmut und Haltungsmonotonie sind dabei wesentliche Auslöser. Überwiegend sitzende Tätigkeiten im beruflichen wie auch im privaten Bereich ohne adäquate Stimulation des Muskel-Skelettsystems sind ein Hauptrisikofaktor für Beschwerden der Hals-Nacken-Region sowie des unteren Rückens.

Projekt

Die ERGO Versicherungsgruppe AG hat sich im Jahr 1999 an die Forschungs- und Präventionszentrum Köln (FPZ) GmbH, heute FPZ: Deutschland den Rücken stärken GmbH, gewandt, um am Unternehmensstandort Köln (DKV Krankenversicherung AG) den Zusammenhang zwischen muskulären Defiziten und Wirbelsäulenbeschwerden für die Belegschaft individuell zu ermitteln. Durch das FPZ wurden an zwei Tagen mit 100 Mitarbeitern mittels mobiler Muskelfunktionstestgeräte eine Muskelfunktionsdiagnostik der Wirbelsäule sowie eine Befragung zu möglichen Beschwerden und Alltagsbeeinträchtigungen durchgeführt. Die anonymisierte Auswertung der Untersuchungsgruppe zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen Existenz und Ausmaß von Wirbelsäulenbeschwerden und muskulären Defiziten und Dysbalancen.

Die ERGO Versicherungsgruppe AG hat auf Basis dieser Erkenntnisse im Jahr 2000 eine unternehmenseigene FPZ Trainingseinrichtung geschaffen, das ERGO Rückenzentrum Köln. Dort wird montags bis freitags zwischen 7 und 19 Uhr von geschulten Therapeuten intensiv betreutes Training gemäß der FPZ Qualitätsrichtlinien angeboten. Bis zum heutigen Tag haben 619 Personen ein Aufbauprogramm absolviert. Die Trainingseinrichtung hat auch nach 13 Jahren eine mittlere Auslastung von 82 %.

Projektpartner und Methode

Das FPZ Köln hat seit 1993 mittels eigener Forschungen ein Trainingstherapiekonzept entwickelt, um Wirbelsäulenpatienten muskulär zu rekonditionieren. Dieses Therapieprogramm wird auf Basis von Sonderverträgen auch als Leistung der Krankenkassen und Krankenversicherungen zur subakuten Therapie bei Wirbelsäulenbeschwerden durchgeführt. Die Gesamtmaßnahme hat folgenden Ablauf:

  1. Voruntersuchung durch den betriebsärztlichen Dienst
    Abklärung der Eignung und Überprüfung eventueller Kontraindikationen
  2. Eingangsanalyse durch ERGO Rückenzentrum
    Biomechanische Funktionsanalyse der Wirbelsäule und standardisierte Befragung zu Beschwerden und Alltagsbelastungen zwecks Ermittlung des exakten Trainingstherapiebedarfs
  3. FPZ Aufbautraining A24
    24- bis zu 60-minütige Trainingseinheiten, welche zweimal wöchentlich durchgeführt werden. Inhalte sind:

    • Progressiv dynamisches Krafttraining an speziellen Therapiesystemen (Serie Diagnosmed der Firma SCHNELL Trainingsgeräte) unter permanenter Anleitung (1 Trainingstherapeut pro 3 Trainierender)
    • Erlernen von Übungen zur gymnastischen Kräftigung und mechanischen Entlastung
    • Schulung von wirbelsäulengerechtem Verhalten im Alltag

  4. Abschlussanalyse
    Biomechanische Funktionsanalyse der Wirbelsäule und standardisierte Befragung zu Beschwerden und Alltagsbelastungen zur Ergebnisdokumentation und als Basis für anschließende Erhaltungs- oder Optimierungsmaßnahmen. Da auch Trainingsübungen mittels Gymnastik oder Kleingeräten (Thera-Band, Hanteln) vermittelt werden, ist ein eigenständiges Erhaltungstraining zu Hause oder durch Nutzung externer Anbieter grundsätzlich möglich.
  5. FPZ Weiterführende Prävention
    60-minütige Trainingseinheiten, welche einmal wöchentlich zur Stabilisierung der erzielten Effekte durchgeführt werden. Die Studien des FPZ zeigen, dass dieser geringe zeitliche Aufwand für 95 % aller Teilnehmer ausreichend ist.

Erfolgsfaktoren

Wesentliche Faktoren für den Erfolg der Maßnahme über den langen Zeitraum sind:

  • Räumliche Nähe

    Räumliche Distanz und einhergehender Zeitverlust sind sonst wesentliche Hinderungsgründe.

  • Hochwertiges medizinisches und nicht sportliches Image der Trainingsinstitution

    Nur so gelingt es vor allem die bedürftigen Personen zu gewinnen und nicht bereits aktive Personen aus Fitness-Studios und anderen Angeboten zu locken.

  • Zeitlich flexible Durchführung von früh bis spät, aber nach Terminvereinbarung, und außerhalb der Arbeitszeit

    Das Angebot ist für jeden flexibel, aber durch die Terminvereinbarung konsequent geplant.

  • Finanzielle Eigenbeteiligung inklusive Bonusregelung

    Eine finanzielle Beteiligung der Nutzer erhöht die Wertschätzung der Maßnahme, denn nur eine konsequente Teilnahme sichert auch optimale Effekte.

  • Vorbildcharakter der Unternehmensführung

    Die Maßnahme hat bekennende Teilnehmer aller Unternehmensbereiche inklusive der Vorstandsebene.

Effekte

Die wissenschaftliche Auswertung der Teilnehmerdaten ergibt unter anderem die folgenden Erkenntnisse: Das Wohlbefinden verbessert sich um 35 %, die subjektive Leistungsfähigkeit ebenfalls um 35 %. Die Tage mit Rücken- oder Nackenbeschwerden reduzieren sich um 48 %. Die AU-Tage aufgrund von Wirbelsäulenbeschwerden reduzieren sich von durchschnittlich 2 auf 0,3 Tage pro Jahr.

Auf der Basis dieses Erfolges wird die Maßnahme seit 2010 auch am Unternehmensstandort Düsseldorf umgesetzt. Dort haben mittlerweile 380 Personen am Aufbauprogramm teilgenommen.