Der Winter, aber auch die gute konjunkturelle Lage in Deutschland, sind Gründe für die höhere Unfallquote in der gewerblichen Wirtschaft in 2010. Jedoch liegt die Quote immer noch auf dem zweitniedrigsten Niveau seit Beginn der Statistik.
Nicht nur die Beschäftigung steigt bei guter konjunktureller Lage, es sind auch mehr Arbeitnehmer bei einer Berufsgenossenschaft (BG) der gewerblichen Wirtschaft gegen mögliche Folgen eines Arbeitsunfalls versichert. Im Jahr 2010 waren es insgesamt 34,7 Mio. Versicherte, 700.000 mehr als noch 2009. Rechnet man dies auf Vollzeitstellen um, hat die gewerbliche Wirtschaft ein Plus von 1,6 % ggü. 2009 verzeichnet.
Allerdings ist im gleichen Zeitraum auch die Anzahl der Arbeitsunfälle gestiegen. Die Quote ist 2010 um fast 6 % gestiegen, sie liegt derzeit bei 26,4 Arbeitsunfällen pro 1.000 Vollzeitstellen. Diese Entwicklung lässt sich auf zwei Gründe zurückführen. Zum einen war das Jahr 2010 von einem schnee- und eisreichen Winter gekennzeichnet. Zwischen Wohnort und Arbeitsstätte ereigneten sich mit rd. 189.400 Unfällen 39.150 Unglücke mehr als noch ein Jahr zuvor. Zum anderen müssen neue Mitarbeiter den oft gefahrenträchtigen Umgang mit Technik und Materialien erst lernen. Darum beeinflusst möglicherweise das Beschäftigungswachstum die Unfallquote. Es wurden von allen Berufsgenossenschaften höhere Unfallquoten verzeichnet.
Gute Absicherung ist deshalb unumgänglich. So übernehmen die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung bei Arbeits- und Wegeunfällen die Kosten der medizinischen Behandlung. Außerdem kümmert sich die zuständige BG auch um die berufliche Wiedereingliederung, falls die Beschäftigten aufgrund einer arbeitsbedingten Erkrankung ihrem Job nicht mehr nachgehen können. Im Jahr 2010 wurden von 70.300 Verdachtsfällen fast 15.500 als Berufskrankheit anerkannt. Im schlechtesten Fall zahlen die BG eine Rente – ggf. auch für Hinterbliebene. Es kamen zuletzt 6.123 Erwerbsminderungsrenten hinzu, insgesamt waren es im Jahr 2010 fast 882.000 Renten.
Um den Arbeitsschutz und die Einhaltung einschlägiger Vorschriften kümmern sich die Sicherheitsexperten der BG. Diese schulen auch die Sicherheitsbeauftragten in den Betrieben im Umgang mit Gefahrstoffen und Maschinen. Dies ist natürlich mit hohen Kosten verbunden: 2010 mussten die BG der gewerblichen Wirtschaft knapp 13,2 Mrd. Euro aufwenden. Davon wurden 43 % für Renten und Abfindungen verwendet, 28 % für Heilbehandlungen und Rehabilitation. 7 % gehen auf das Konto der Prävention – Investitionen in sichere Technik, gesunde Materialien oder ergonomische Ausstattung sind darin nicht enthalten. Die Unternehmen übernehmen diese Kosten und sind damit vor möglichen Haftpflichtansprüchen ihrer Mitarbeiter geschützt.