KI 12/2013, 13.12.2013

Der verkannte Wirtschaftsmotor

Die deutsche Versicherungswirtschaft nimmt für den Wirtschaftsstandort Deutschland eine Schlüsselposition ein, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie der Prognos AG belegt.

Fragt man Menschen in der Fußgängerzone, was sie am ehesten mit der deutschen Wirtschaft assoziieren, fallen schnell die Worte Maschinenbau, Chemie und Fahrzeugherstellung. Die deutsche Versicherungswirtschaft dagegen wird nur selten genannt. Und doch nimmt sie für den Wirtschaftsstandort Deutschland eine Schlüsselposition ein, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie der Prognos AG belegt.

Die im Auftrag des GDV erstellte Studie „Die Bedeutung der Versicherungswirtschaft für den Wirtschaftsstandort Deutschland“ stellt erstmals konkrete Zahlen zum Wachstumsbeitrag der Branche bereit. So leistet die Versicherungswirtschaft mit ca. 1,3 Mio. direkt oder indirekt beschäftigter Menschen einen bedeutenden Beitrag sowohl für das Bruttoinlandsprodukt als auch für die öffentlichen Haushalte der Bundesrepublik. Damit sind knapp 3,1 % aller deutschen Erwerbstätigen in der Assekuranz beschäftigt und generieren mit ihrer Arbeit 3,4 % (90,6 Mrd. €) des Bruttoinlandsprodukts. Laut Studie summierten sich die direkten, indirekten sowie konsuminduzierten Steuereffekte der Branche auf 4,4 % oder 26,2 Mrd. € des gesamten Steueraufkommens Deutschlands in 2012.

Als Nummer zwei der weltweit exportstärksten Länder ist Deutschland in großem Stil von der Absicherung von Handelsrisiken abhängig. Dabei werden viele internationale Geschäfte durch die Produkte der deutschen Assekuranz überhaupt erst ermöglicht. Sie entlastet damit nicht nur multinationale Akteure, sondern im besonderen Maße auch mittelständische Unternehmen bei der Optimierung ihres Risikomanagements. Die Zuverlässigkeit und Stabilität ihres langfristig ausgelegten Geschäftsmodells bewies die deutsche Versicherungsbranche während der Wirtschafts- und Finanzkrise, was sich auch in konstanten Ausbildungs- und Beschäftigungszahlen niederschlug. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Deutschland bei Erstversicherungen den sechsten, beim Rückversicherungsgeschäft sogar den ersten Platz weltweit belegt.

Die hohe Bedeutung der Versicherungswirtschaft wird auch dadurch deutlich, dass auf die Branche, die laut der AGV-Erhebung über die Entwicklung der Zahl der Arbeitnehmer direkt nur 1,4 % aller deutschen Erwerbstätigen beschäftigt, ca. ein Achtel des gesamten Wirtschaftswachstums in Deutschland entfallen. Würde man die Wachstumsimpulse der Assekuranz aus der Gesamtleistung in den Jahren 1998 bis 2008 herausrechnen, wäre die Wirtschaft im Durchschnitt nicht um 1,5 % p. a., sondern nur noch um 1,3 % p. a. gewachsen. Laut Prognos generiert jeder Euro Umsatz in der Versicherungswirtschaft 1,30 € in der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung.