KI 12/2013, 13.12.2013

Gothaer – Frauenförderung von Anfang an mit dem Programm „Frauen im Management“

Best-Practice Beispiel der Gothaer Allgemeine Versicherung AG

Herr Barann, warum engagiert sich die Gothaer im Bereich Gender Diversity?

Weil wir fest davon überzeugt sind, dass Unternehmen, die auf Diversity setzen und Diversity aktiv fördern, langfristig auch unternehmerisch erfolgreicher sind. Monokulturen halten wir dagegen für ungeeignet. Damit meine ich auch reine Frauenkulturen, die sind genauso schädlich wie reine Männerkulturen. Allerdings haben wir in einigen Bereichen immer noch reine Männerkulturen.

Und in welchen Bereichen läuft es schon besser?

Bei unserem Nachwuchs-Managementprogramm haben wir einen Frauenanteil von etwa 50 Prozent. Dort setzen sich in den Assessment-Centern auch tatsächlich die Frauen besser durch als die Männer. Und diese jungen Menschen tauchen dann natürlich – zu Ausbildungszwecken – in den strategisch wichtigen Projekten auf und arbeiten da mit. Dadurch haben wir dort auch viele junge Frauen. Also in der Nachfolgeplanung für die nächsten Jahre bin ich guten Mutes, dass wir einen relativ hohen Frauenanteil auch in die oberen Führungsebenen bekommen werden.

Wie viele sind es im Moment in den oberen Führungsebenen?

Wir haben jetzt schon bis in die dritte Ebene einen relativ hohen Frauenanteil von 32 Prozent, das ist schon viel. In der ersten und in der zweiten Ebene, da hapert es allerdings noch. Deshalb haben wir uns gefragt, wie wir das ändern können.

Und was tun Sie konkret um Frauen bis dorthin zu fördern?

Wir achten darauf, dass wir die Frauen von Anfang an fördern. Also in den Start-up-Programmen haben wir wie gesagt viele Frauen. Das sind unsere Programme für Hochschulabsolventen, direkt von der Universität. Viele von ihnen haben auch schon vorher bei uns Praktika gemacht, haben uns also schon kennengelernt. Und dann bilden wir sie über zwei Jahre aus, in einem „Training on the Job“. Dabei gucken sie nicht nur über die Schulter oder besuchen Seminare, sondern arbeiten wirklich mit. Im Wesentlichen machen sie drei bis vier verschiedene Jobfamilien in der Zeit durch, wobei alle einmal im Vertrieb gewesen sein müssen. Zusätzlich machen sie in dieser Zeit auch noch den Versicherungsfachwirt. Danach sind sie dann sehr gut ausgebildet und werden uns von den Fachbereichen regelrecht aus den Händen gerissen. In diesen Programmen haben wir seit den letzten drei Jahrgängen einen leichten Frauenüberschuss. Und natürlich sind die Frauen in diesen Programmen genauso gut und genauso erfolgreich wie die Männer. Das sehen auch die älteren Manager, die noch aus der reinen Männerwelt kommen.

Das heißt also, wenn Sie auf die Zahlen blicken, stellen Sie fest, dass von unten die Pipeline gut gefüllt ist. Was tun Sie, damit diese Frauen auch oben ankommen?

Dafür haben wir unser „Frauen im Management“-Programm. Das ist dank einer Initiative einiger engagierter weiblicher Führungskräfte zunächst als informelle Arbeitsgruppe – bestehend aus weiblichen Führungskräften der Ebenen eins und zwei sowie zwei Mitarbeiterinnen der Personalabteilung – entstanden. Sie haben sich ganz differenziert mit den Ursachen der Unterrepräsentanz von Frauen auf Managementpositionen auseinandergesetzt und Lösungsvorschläge entwickelt.

Thomas Barann ist Leiter der Abteilung Personal bei der Gothaer Allgemeine Versicherung AG

Das gesamte Interview sowie weitere Best-Practice Beispiele sind abrufbar unter www.agv-vers.de/projekte/frauen-in-fuehrung/best-practice.

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