KI 06/2014, 16.06.2014

Fachkräftemangel auf dem Land

Ländliche Gebiete konkurrieren bei der Personalgewinnung zunehmend gegen große Metropolregionen. Aufgrund der Urbanisierung verlieren die ländlichen Gebiete dabei an Attraktivität.

Ländliche Gebiete konkurrieren bei der Personalgewinnung zunehmend gegen große Metropolregionen. Aufgrund der Urbanisierung verlieren die ländlichen Gebiete dabei an Attraktivität. Dies stellt insbesondere Unternehmen in diesen Regionen vor Herausforderungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln.

Deutschland hat sich in der letzten Dekade vom „kranken Mann in Europa“ zu einem Vorzeigestandort entwickelt. Ein Großteil des Wohlstandes wird auf dem Land erwirtschaftet. So arbeiten knapp zwei Drittel aller Industriebeschäftigten auf dem Land, so die Forscher des IW. Hierbei entstehen aufgrund des demografischen Wandels zwei große personalpolitische Herausforderungen für die Unternehmen vor Ort. Zum einen zeigen Prognosen, dass Deutschland in den nächsten Jahrzehnten massiv Einwohner verlieren und der Altersdurchschnitt steigen wird. Beides wird sich negativ auf die Fachkräftesituation auswirken. Laut IW muss mit einer Fachkräftelücke von mind. 2 Mio. Personen im Jahr 2020 gerechnet werden. Zum anderen zieht es immer mehr Menschen in die Städte, die oft eine bessere Infrastruktur bieten. Die Unternehmer in ländlichen Gebieten stehen also bei der Fachkräftegewinnung nicht nur mit anderen Unternehmen in Konkurrenz, sondern auch mit anderen Regionen, insbesondere Metropolregionen.

Wie die Studie des IW Köln mit einer Befragung von 600 Unternehmen zeigt, hat die Hälfte der personalsuchenden Unternehmen im ländlichen Raum Schwierigkeiten, Fachkräfte oder Auszubildende zu finden. In urbanen Regionen meldeten nur ein Drittel der Unternehmen Probleme bei der Suche nach Fachkräften, bei der Suche nach Auszubildenden sogar nur ein Viertel. Zur mit Abstand erfolgreichsten Region gehört der Landkreis München. Generell sind Regionen mit einer überdurchschnittlich hohen Industriedichte erfolgreicher als andere.

Um diesem für ländliche Gebiete negativen Trend entgegenzuwirken, müssen laut IW die Rahmenbedingungen durch die Politik verbessert werden. Als Beispiel führen die Forscher die bessere Versorgung mit leistungsfähigen Breitbandnetzen oder die wirtschaftsfreundlichere Gestaltung von Verwaltungen an. Städte und Gemeinden selbst können durch mehr bürgerliches Engagement und eine ausgeprägte regionale Identität ihre Attraktivität für Fachkräfte steigern. Auch die Unternehmen können ihren Teil beitragen: Insbesondere junge Menschen blicken laut IW nicht mehr nur auf das Gehalt bei der Jobentscheidung, vielmehr spielen auch Sabbatjahre, flexible Arbeitszeiten oder zusätzliche Vergütungen wie Job-Tickets bei der Wahl des Arbeitgebers eine Rolle.

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