Sitzung des Branchenbeirats am 9. Juli 2025
Verantwortung zeigen, Zusammenhalt stärken: Leadership im Kulturwandel
Diversity im Wandel sowie die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung waren die zentralen Themen der diesjährigen Präsenzsitzung des AGV-Branchenbeirats „Women in Leadership & Culture“ am 9. Juli 2025 in München unter dem Vorsitz von Ulrike Zeiler (Allianz Versicherungs-AG).
Die Anti-Woke-Haltung des US-Präsidenten sorgt zunehmend auch in Deutschland für öffentliche Debatten. Gemeinsam mit dem Beirat ging Dr. Isabelle Kürschner der Frage nach: Wo stehen wir – befindet sich Diversity unter Druck? Zunächst skizzierte sie eine Zeitreise durch die Entwicklung von DEI – von der „affirmative action“ der 1960er-Jahre bis zum aktuellen Rückwärtstrend.
Im Zentrum standen dabei zwei US-Executive Orders vom Januar 2025, die die Diversity-Pflichten für Behörden und Auftragnehmer nahezu vollständig aufheben. Aufgrund des wachsenden politischen und juristischen Drucks streichen Konzerne wie Meta, PepsiCo, SAP, Volkswagen und T-Mobile US ihre ehrgeizigen Diversitätsziele oder legen entsprechende Programme vorübergehend auf Eis.
Damit verbunden sind Budgetkürzungen, Stellenabbau und eine vorsichtige Neupositionierung von „Diversity & Inclusion“ hin zu neutraleren Begriffen wie „Belonging“, „Fairness Culture“ oder „Wellbeing“. Die Arbeit findet weiterhin statt – jedoch oft leiser und weniger sichtbar.
Der Branchenbeirat diskutierte, wie sich diese Entwicklungen in der Versicherungsbranche widerspiegeln. Das klare Fazit: Die Unternehmen stehen weiterhin zu Diversity – nicht als Modeerscheinung, sondern als Ausdruck einer gelebten Unternehmenskultur.
Gleichzeitig wurde jedoch auch selbstkritisch reflektiert: Welche Maßnahmen haben wirklich etwas bewirkt – und wo haben wir Mitarbeitende verloren? Polarisierende Narrative wie „alter weißer Mann“, „wir gegen die“ oder hitzige Debatten über Gender-Sprache waren dabei nicht immer zielführend. Sie verdeutlichen, dass Kommunikation und Haltung sensibel und verantwortungsvoll gestaltet werden müssen.
Einen spannenden Impuls setzte Ulrike Zeiler mit der Allianz-Initiative „Power of Unity“, die fragt: Wie können Unternehmen Polarisierung in der Belegschaft vorbeugen und einen Beitrag gegen Entdemokratisierungstendenzen leisten?
Die Initiative basiert auf den Säulen Informieren, Inspirieren, Involvieren und soll den Zusammenhalt, die Resilienz und die Arbeitgeberattraktivität stärken. Geplant sind Dialogformate, Trainings und Partnerschaften (u. a. mit Joblinge, startsocial, der Olympischen Bewegung), flankiert von Social-Media-Statements zu demokratischen Werten.